Förderrichtlinien

Anforderungen an drittmittel-geförderte Projekte

Bild von Gerd Altmann/CC0

Welche Förderer verlangen einen FDM-Plan?

Die meisten Forschungsförderer (Forschungsräte, Vereine und Stiftungen) im internationalen Raum haben Richtlinien für das Forschungsdatenmanagement eingeführt.  Kleinere, deutsche Fördergesellschaften orientieren sich sehr oft an den Richtlinien europäischer Programme und/oder der DFG. Die allgemeine Erwartung ist, dass öffentlich geförderte Forschungsdaten ein öffentliches Gut sind, die mit so wenigen Einschränkungen wie möglich offen zur Verfügung gestellt werden sollten.

Hinzu kommt, dass die Geldgeber ihre individuellen Datenrichtlinien zu Grunde legen, die Hinweise geben, wie mit Forschungsdaten umzugehen ist. So müssen zum Beispiel Antragsteller/innen bei Förder­institutionen wie dem Wellcome Trust, aber auch bei Ausschreibungen der Europäischen Kommission Angaben in einem „Data Management Plan“ machen und in einem „Sharing Plan“ über das Teilen ihrer Daten. In den „Guidelines on Data Management in Horizon 2020“ werden außerdem noch weitere Beschreibungen des Datensatzes verlangt.

Mittlerweile verlangen auch nationale Forschungs­förder­institutionen, wie z. B. DFG und BMBF, verpflichtende Angaben zu einer Weiterverwendung bzw. Verwertung der Daten nach Abschluss des Projektes. Die Daten müssen in weitergabefähiger Form in einem Repositorium zur Verfügung gestellt werden. Für die zusätzlich anfallenden Kosten eines Forschungs­daten­management­plans sowie der wissenschaftlichen und/oder technischen Nachnutzungs­möglichkeiten der Daten können Mittel beantragt werden.[1]

Die Suchmaschine SHERPA / JULIET der Universität Nottingham bietet Informationen zu den Open-Access-Richtlinien von über 100 Forschungsförderern, einschließlich internationaler Geldgeber.


FörderinstitutionBMBFDFGEU Horizon 2020Wellcome Trust            
Was archivieren?                 
ForschungsdatenForschungsdaten

Forschungsdaten, unveröffentlichte Daten, Programmierkodierung

Forschungsdaten

Wo archivieren?

Datenablage in Datenzentrum/ RepositoriumRepositorien frei wählbarRepositorien frei wählbarKeine Vorgaben, Datenablage aber gefordert
Wann archivieren?Nach ProjektabschlussInnerhalb von 12 Monaten nach ProjektendeZum frühest möglichen ZeitpunktUnmittelbar nach der Veröffentlichung
Allgemeine BedingungenDatenbereitstellung für  die wiss. Community, zur langfristigen Datensicherung/ Nachnutzung gefordertPrimärdaten müssen sicher für 10 Jahre in der Ursprungs­institution gespeichert werdenIm Pilotprogramm für Open Access ist ein Datenmanagementplan innerhalb der ersten sechs Projekt­monate verpflichtend. Diese Projekte müssen Maß­nahmen ergreifen, damit Forschungs­daten kosten­los genutzt und verviel­fältigt werden können  (CCA- oder CCO-Lizenz). Der Umfang der beteiligten Disziplinen wird stetig erweitert.Gilt für alle Projekte, deren Daten­sätze nutz­bringend geteilt werden könnten. Nachnutzer müssen die Daten­quellen angeben und sich an die Bestimmungen von Dritt­an­bietern (Lizenzgebern) halten.
FörderinstitutionERCCERNEOC
Was archivieren?                            
Forschungsdaten, unveröffentlichte Daten, ProgrammkodierungForschungsdaten, BegleitinformationForschungsdaten
Wo archivieren?Repositorien frei wählbar, GenBank und PDB vorgeschlagenRepositorien frei wählbar, HEPDATA und INSPIRE vorgeschlagenRepositorien frei wählbar, OpenAire, Orphan Record Repository vorgeschlagen
Wann archivieren?Innerhalb von 6 Monaten nach Projektende

Zum frühest möglichen Zeitpunkt

Keine Vorgaben
Allgemeine BedingungenDatenablage (Nukleotid- / Proteinsequenzen, makromolekulare Atomkoordinaten, anonymisierte epidemilogische Daten) sollte direkt nach der Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgenVerschiedene Anforderungen an unterschiedliche Projekte für offenen Datenzugang: CC-Lizenzen und DOIs werden gefördertGibt für alle neuen Projekte ab 2010, und alle finanzierten Projekte des EUR-Consortiums

Prozess eines Forschungsantrags (bid and bid process)

Es herrscht in der Welt der Finanzierungsanträge (funding bids) mehr Wettbewerb als jemals zuvor. Meist wird bei einem Forschungsantrag ein komplexer Auswahl-, Begutachtungs- und Entscheidungs­prozess durchlaufen. Da häufig mehrere Hierarchiestufen von Gutachtern und Entscheidern beteiligt sind, sollten bei der Erstellung eines Antrags die jeweiligen Entscheidungszeiträume berücksichtigt werden. Ein Antrag bei der DFG dauert mindestens 6 Monate, oft auch 9 Monate (BMBF-Antrag: 15 Monate). Begutachtungen von Projektanträgen im „Horizon 2020“ können 9-10 Monate andauern und es können noch einige Wochen für die Vertrags­vorbereitung hinzukommen.

Die DFG fördert ausschließlich Projekte, die Grundlagenforschung betreffen, die aber auch teilweise sehr spezifische Themen beinhalten können. Andere Förderinstitutionen, wie z. B. Ministerien und Stiftungen, unterstützen dagegen hauptsächlich anwendungsorientierte Forschungsprojekte.


Auf welche Schritte ist beim Schreiben eines Forschungsantrags zu achten?

Bei jedem Forschungsvorhaben muss der voraussehbare Erkenntnisfortschritt für einen klar benennbaren fachwissenschaftlichen Diskurs und Forschungsstand oder aber für ein gesellschaftlich relevantes Thema oder Problem (z. B. Kultur, Soziales, Politik) erläutert werden. Der wichtigste Teil des geplanten Projektvorhabens ist der Antragstext selbst. Er besteht in der Regel aus vier Teilen:

  

  1.  Formale Grundinformationen über den Antragsteller
  2.  Das eigentliche Forschungsexposé, bestehend aus dem Stand der Forschung sowie eigenen Vorarbeiten, Zielen des Forschungsvorhabens (Forschungsfragestellung) und eigenem Arbeitsprogramm (Methodendesign)
  3. Zeit- und Finanzplan und oft auch einen FDM-Plan  bzw. Angaben zum „data sharing“
  4. Anlagen

Oft wird vor dem eigentlichen Antrag eine Interessensbekundung verlangt, in der zu einem „Call“ (Aufruf/Ausschreibung) das Projektvorhaben kurz skizziert wird. Überzeugt die Interessensbekundung, wird förmlich um einen vollen Forschungsantrag gebeten. Diese zwei getrennten Schritte werden bei kleineren Förderorganisationen, wie z. B. Stiftungen, eventuell nicht benötigt. Nach Zusage der Finanzierung des Projektes muss der „Grant“ (Finanzhilfe) verwaltet und die Richtlinie des Geldgebers erfüllt werden. Die Kontrolle des Projektfortschritts und die Mittelzuweisung sind meist an zu erfüllende Bedingungen („deliverables“) geknüpft wie z. B. einer regelmäßigen Projektberichterstattung sowie einer detaillierten Kostenabrechnung. Förderer wie die DFG erwarten bereits bei der Antragstellung eine Stellungnahme zum geplanten Umgang mit Daten bzw. einen übersichtlichen FDM-Plan. Zudem erleichtert ein FDM-Plan auch bei Berichtspflichten die Dokumentation.


Die wichtigsten Schritte einer Antragsstellung

Der Prozess eines Forschungsantrags (Grant), gegliedert in 6 Hauptschritte, erstellt mit lucidchart

Warum sollte ein FDM-Plan aufgestellt werden, auch wenn es vom Fördergeber nicht ausdrücklich verlangt worden ist?

Es lohnt sich auch dann einen Datenmanagementplan zu erstellen, wenn dieser nicht vorgegeben wird. Für viele Wissenschaftler gehört es zur Routine bereits bei der Planung eines neuen Projekts folgende Punkte zu bedenken:

  • Welche Art von Daten entstehen?
  • Wie hoch ist der erwartete Speicherbedarf?
  • Wer soll während des Projekts Zugriff auf die Daten haben?
  • Welche auf den Daten beruhenden Veröffentlichungen sind geplant?

Durch das systematische, schriftliche Festhalten dieser Punkte in einem FDM-Plan können mögliche Unklarheiten oder Lücken leichter erkannt und bereits im Vorfeld behoben werden.

Einzelnachweise

  1.  Siehe dazu: die Richtlinien zum Umgang mit Forschungsdaten der DFG und die Bekanntmachung des BMBFs zur möglichen Kostenbeantragung im FDM.