FDM-Strategieentwicklung

Erfolgreiche Projektplanung mit allen Beteiligten

Bild von Adriano Gadini/CC0

Die Nachfrage nach leistungsfähigem Forschungsdatenmangagement (FDM) wird von vielen Stakeholdern einschließlich verschiedener Förderorganisationen und Programmen, nationaler Policys, Technologien, Trendsettern und Forschern selbst angetrieben. Ein konstanter Faktor bleibt die Forschungseinrichtung - ein Zentrum für die Kohäsion, Kuration und Zusammenarbeit - die für ihre eigenen Forschungsdaten verantwortlich ist. Diese Institutionen brauchen einen Gesamtrahmen, in dem sie ihre Datenmanagement-Strategie entwickeln können.[1]

Internationaler Vorstoß des ESCR

Förderorganisationen in Großbritannien wie der ESCR (Engineering and Physical Research Council) verlangen mittlerweile eine Strategieentwicklung des FDM, auch Roadmapping genannt. Eine Roadmap lässt sich als eine initiale Entwicklung einer FDM-Infrastruktur verstehen. Eine Roadmap geht über die eigentliche FDM-Planung weit hinaus, da auch Policys und IT-Services sowie andere Dienstleistungen in die gesamte Infrastruktur­planung einfließen.

Roadmapping soll dabei helfen, einen entsprechenden Plan zu entwickeln, um die Vorgaben des Förderers erfüllen zu können. Roadmaps müssen beim ESCR nach bestimmten Kriterien seit Mai 2012 vorgelegt werden. Um Policys und Prozesse an den Erwartungen auszurichten, scheint es sinnvoll zu sein, ein Strategiepapier nach den einschlägigen institutionellen Rollen und Verantwortlichkeiten zu strukturieren und an den Prozessen oder Methoden, die sie erfüllen (vgl. DCC 2016, CC BY 4.0). Die Rollen umfassen:

  • Policy- und Strategieentwicklung: Entwurf; Befürwortung und Beratung; Bestätigung
  • Service-Entwicklung / Policy-Umsetzung: Veränderung initiieren; Beurteilung der derzeitigen Regelung und Praxis; Entwickeln oder Re-Design von Dienstleistungen; Umsetzung und Bewertung
  • Fort- und Weiterbildung: Aufbau- und Supporttraining; Inhalt und Vermittlung evaluieren

Tipps für die Strategieplanentwicklung

Um ein Strategiepapier zu entwickeln und umzusetzen, wird ein Aktionsplan benötigt. Dabei hilft es, die einzelnen Punkte an folgenden Fragen zu orientieren:

1. Was ist der aktuelle Stand?

2. Was muss getan werden, um aktuelle Lücken zu schließen bzw. wo fehlt es an bestimmten Dienstleistungen?

3. Welche Ressourcen werden zur Verfügung gestellt?

4. Wann erfolgt die Umsetzung?

Ein Strategiepapier zum FDM könnte beispielsweise wie folgt aufgebaut sein:

  • Zusammenfassung bestehender Dienstleistungen oder Projekte, die entsprechende Arbeiten durchgeführt haben
  •  kurze Pläne für benötigte zukünftige Aktivitäten
  • Zuständigkeitsverteilung der Aufgaben
  • erwarteter Zeitrahmen (Meilensteine, Eckdaten)

Daran anlehnend wurde von den IT-und Informationsservices einiger Universitäten wie z. B. der Universität Leicester[2] und der Universität Edinburgh[3] eine Roadmap erstellt. Es ist den Instituten freigestellt, die Anforderungen unterschiedlich zu interpretieren und die Einhaltung verschiedener Aspekte der laufenden FDM-Entwicklung und Anforderungen anderer Förderer einzubeziehen. Dennoch ist das Aufstellen einer Roadmap bzw. eines Plans für Forschungsdaten-Policys und Dienstleistungen oder eines „voll funktionierenden RDM-Support-Service nach DCC“ obligatorisch. Der DCC stellt dafür das Tool CARDIO (Collaborative Assessment of Research Data Infrastructure and Objectives) zur Verfügung. Es ist ein Modell, das auf den drei Prinzipien Organisation, Technologie und Ressourcen basiert.

Die wichtigsten Komponenten eines FDM-Services zeigt die folgende Graphik (nach DCC):

Erstellt von forschungsdaten.info/CC0

Projekte und Initiativen in der EU

2011 lief das von der EU finanzierte EUDAT (European Data)–Projekt an, das sich zum Ziel gesetzt hat, eine föderierte Dateninfrastruktur aufzubauen, welche die Bedürfnisse zukünftiger Forscher nachhaltig anspricht. Diese Verbindung zwischen Forschung, Datenpolicy, Technologie und Support wird auch von LERU (League of European Universities) unterstützt. LERU hat 2013 ein „Advice Paper“ mit entsprechenden Empfehlungen zur Roadmap-Gestaltung verfasst.[4] Ähnliche FDM-Strategien werden auch hierzulande entwickelt. 2013 veröffentlichte das Projekt Radieschen Rahmenbedingungen einer disziplinübergreifenden Forschungs­daten­infrastruktur. Weiterhin unterstützt z. B. die DFG speziell den Auf- und Ausbau von Informations- und Infrastrukturen (DFG 2016). Darüber hinaus wurde 2014 die Entwicklung einer Roadmap und eines Angebotsspektrums von der SUB Göttingen und der Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung Göttingen gegründeten eResearch Alliance vorangetrieben. Neben der Universität Göttingen verfolgt die Universität Bielefeld den Ausbau der Infrastrukturangebote mit Pilotprojekten. Des Weiteren hat die Technische Universität Berlin ein Konzept erstellt, um Infrastrukturdienste für das FDM zu bündeln. Dieser Entwicklung schloss sich auch das BMBF an, das einen Aufruf zum nationalen Roadmap-Prozess für Forschungsinfrastrukturen im Herbst 2015 startete. 

Einzelnachweise

1. University of Southampton (2011). Institutional Data Management Blueprint. August 2011. 

2. Burnham, A. & Tedds, J. (2012). Research Data Roadmap. IT-Services. University of Leicester.

3.  Rice, R., Ekmekcioglu, Ç., Haywood, J., Jones, S., Lewis, S., Macdonald, S., & Weir, T. (2013). Implementing the research data management policy: University of Edinburgh roadmap. International Journal of Digital Curation, 8(2), 194-204.

4.  Ayris, Paul, and Research Data Working Group (2013). LERU Roadmap for Research Data. 17-20.