Kolla­bo­ra­ti­ves Ar­bei­ten

Digitale Möglichkeiten im Verbund

Bild von Gerd Altmann/CC0

Großflächige und kooperative Forschung wird immer mehr zu einem gemeinsamen Ort, mit vielen Forschungsprojekten, die sowohl einen länderübergreifenden als auch einen interdisziplinären Forschungsansatz verfolgen. Dies bringt zusätzliche Herausforderungen im Datenmanagement mit sich. Dazu zählen beispielsweise Problematiken in der gemeinsamen Bearbeitung von Dokumenten und Daten, in der Bereitstellung gemeinsam genutzter Speicher und im Zugang zu und dem Transfer von Forschungsdaten zwischen verschiedenen Forschungseinrichtungen.

So leistet eine zentrale Forschungskoordinierung z. B. einen wichtigen Beitrag in der Planung und Implementierung eines zentralisierten Datenmanagements sowie der Datenfreigabe.  Eine zentrale Datenverwaltung ist besonders vorteilhaft für Datenformatierung, Speicher und Backup. Es hilft auch dabei, eine gemeinsame Policy für die Datennutzung festzulegen, Urheberrecht und Rechte an geistigem Eigentum an Forschungsdaten zu etablieren und Rollen und Verantwortlichkeiten zu zuweisen (UK Data Service, 2016).

Arbeiten mit Daten in einer großen Forschungsgruppe

Eigene Forschungsdaten zu verwalten, kann eine gewisse Flexibilität erfordern, wie beispielsweise Daten an unterschiedliche methodische oder disziplinäre Anforderungen anzupassen. Forschende müssen daher der Verantwortung für eine eigene Verwaltung von Daten nachkommen. Insbesondere für das Arbeiten mit Daten in großen Forschungsgruppen eignet sich ein sogenanntes  Datenmanagement-Framework.

Datenmanagement-Framework

Eine Möglichkeit ein Datenmanagement-Framework zur Verfügung zu stellen, sind z. B. sich entwickelnde Forschungsplattformen (sog. Research-Hubs oder auch Knotenpunkte der Forschung). Zu einem Datenmanagement-Framework gehören:

  • zugewiesene Datenverwaltungsaufgaben an benannte Personen
  • standardisierte Formen für Genehmigungsverfahren, ethische Überprüfung und Datenmanagementpläne etc.
  • Standards und Protokolle wie beispielsweise Datenstandards der Qualitätskontrolle, Daten-Transkriptionsstandards und -Vertraulichkeitsvereinbarungen für Datenverarbeiter
  • File-Sharing und Lagerungsverfahren
  • eine Datensicherheitsrichtlinie für die Datenspeicherung und -übertragung
  • eine Datenspeicherung- und Datenvernichtungspolicy
  • Stellungsnahmen der Urheber- und Eigentumsrechte an Daten für die Datenzentren und für die Forschenden
  • Standarddatenformatempfehlungen
  • Versionskontrollen und Dateibenennungsrichtlinien
  • Informationen über die Anforderungen der Förderorganisation oder Richtlinien zur Verwaltung und gemeinsame Nutzung von Daten, die zu Projektende oder -mitte gelten
  • eine Forschungsdaten-Sharing-Strategie, zum Beispiel über ein Institutionelles Repositorium, Datenzentrum oder eine Website

Kollaborative Forschungsumgebung

In der Verbundforschung ist der Austausch von Informationen notwendig. Dokumente und Daten müssen oft in einer kontrollierten und organisierten Art und Weise über mehrere Organisationen oder Forschungseinrichtungen verwaltet werden. Wird die Verwaltung vernachlässigt, kann dies viel zusätzliche Arbeit nach sich ziehen.

Eine Lösung für diese Anforderungen bieten Virtuelle Forschungsumgebungen (VFU). Darunter versteht man Softwarelösungen oder webbasierte Plattformen, die Forschenden eine ortsunabhängige Zusammenarbeit ermöglichen.

In den letzten Jahren haben viele Hochschulen und/oder deren Serviceeinrichtungen sowie Forschungsverbände und Arbeitsgruppen Projekte zur Entwicklung Virtueller Forschungsumgebungen aufgesetzt bzw. bereits abgeschlossen. Eine Übersicht über VFU-Projekte in Baden-Württemberg finden Sie hier.

Weitere Informationen zu VFUs sind unter ‚Weiterführendes‘ zu finden.

Anforderungen an eine kollaborative Forschungsumgebung

Die Anforderungen an eine kollaborative Forschungsumgebung sind in der Regel:

  • Speicherung und Austausch von Dokumenten und Datendateien
  • Die Fähigkeit, Dokumente und Dateien in Ordnern zu organisieren
  • ein Zutrittskontrollsystem, das die Authentifizierung und Autorisierung auf einfache Weise verwaltet
  • Versionskontrolle von Dokumenten und Datendateien
  • Dateisperren verhindern, so dass Benutzer gleichzeitig an derselben Datei arbeiten können
  • im Idealfall die Bereitstellung einer Diskussionsplattform, eines Forums oder eines Wikis

Möglichkeiten und Werkzeuge, um Daten mit Forschungspartnern auszutauschen 

CC0 - Original von https://pixabay.com/de/laptop-internet-realität-cyberspace-1104066

Die Plattform Connected Researchers bietet in diesem Zusammenhang verschiedene webbasierte Tools an. Eine weitere und zum Teil kostenfreie Möglichkeit effektiver Zusammenarbeit von Arbeitsgruppen und Teams ist KMcloud. Das ist eine spezielle Arbeitsgruppen-Software für Zusammenarbeit und zur Dokumentationsverwaltung. Darüber hinaus werden auf der Webseite von Toolsmag.de 30 webbasierte Projektmanagement-Tools im Überblick dargestellt.


Optionen für eine kollaborativen Forschungsumgebung

Ein institutionelles Laufwerk

[+] eine Institution ist zuständig für Setup, Speicherung, Sicherung und Zugangskontrolle

[+] auf einen bestimmten Teil kann über ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) zugegriffen werden

[-] Zugriffskontrolle (evtl. schwierig zu handhaben)

[-] Außenstehende bekommen eventuell keinen Zugang

Ein sicherer Datenübertragungsserver (SFTP)

[+] eine Institution ist zuständig für Setup, Speicherung, Sicherung und Zugangskontrolle

[+] integrierte Zugangskontrolle unabhängig vom Active Directory (zentralen Verzeichnisdienst) der Forschungseinrichtungen

[-] mögliche Vorbehalte außenstehenden Personen (der Institution nicht zugehörig) Zugang zu gewähren

Eine virtuelle Forschungsumgebung (VFU)

Solche Portalumgebungen sind bspw. Base-Camping, Huddle, Clinked oder MS Sharepoint.

[+] sicherer Arbeitsplatz mit anpassungsfähigem Content Management System

[-] Base-Camping, Huddle und Clinked sind webbasiert

[-] Anforderungen dazu: eine Datenbank, Speicherplatz und Geschwindigkeit des Servers

Ein cloudbasierter File-Sharing-Dienst

Solche Clouddienste sind bspw. Dropbox, GoogleDocs, Google Drive, Microsoft Onedrive, SpiderOak, Mega.nz oder Tresorit.

[+] einfach einzurichten und zu verwenden

[-] begrenzter Speicherplatz

[-] Sicherheitsbedenken bezüglich der Aufbewahrung von Dateien und Backups

Ein solches Datenrepositorium ist bspw. DSpace, Fedora, Eprints, CKAN oder das cloudbasierte Figshare.

[+] eine Institution ist zuständig für Setup, Speicherung, Sicherung und Zugangskontrolle

[-] Am meisten Aufwand zu Beginn