Open Data, Open Access und Nachnutzung

Barrierefreier Zugang zu Forschungsdaten

Bild: © ubiquity press (CC BY 4.0)

Open Access – Zugang zu Forschungsergebnissen im Netz

Open-Access-Publikationen werden zwar weiterhin differenziert und/oder skeptisch betrachtet, jedoch hat mittlerweile in vielen Fachdisziplinen ein Umdenken eingesetzt, welches auch bei wissenschaftlichen Zeitschriftenreihen und vielen Verlagen angekommen ist. Publizieren von Forschungsergebnissen in Online-Journalen ist in vielen Fachrichtungen eine akzeptierte und dem klassischen Druck gleichgestellte Möglichkeit, die darüber hinaus einige Vorteile bietet.

Eine Open-Access-Publikation erlaubt dem Nutzer einer wissenschaftlichen Publikation das publizierte Dokument kostenlos zu lesen, herunterzuladen, zu speichern, es zu verlinken und zu drucken. Es darf also entgeltfrei genutzt werden. Open Access schließt auch die Zugänglichmachung von wissenschaftlichen Primär- und Metadaten, Quellentexten und von digitalen Reproduktionen ein. Mit dem Anwachsen von qualitativen Forschungsdaten und der bereits fortgeschrittenen Digitalisierung bei Bibliotheken, Sammlungen und Museen wurden in den letzten Jahren sehr viele Forschungsdaten publiziert, die nun vermehrt als Open Access erschienen sind bzw. mit einer freien Lizenz versehen wurden. Diese Daten können also ohne Kontakt zum Urheber oder Datenproduzenten unter den angegebenen Lizenzbedingungen verwendet werden.

Die einem Aufsatz oder einer Monographie zugrundeliegenden Forschungsdaten werden allerdings nur sehr selten publiziert. Oft sind diese Daten für einen Druck ungeeignet. Aber auch im Web ist es noch lange keine Selbstverständlichkeit, aufgearbeitete Forschungsdaten zu veröffentlichen. Dies hat sicherlich mehrere Gründe. Die beiden oft herangezogenen Hauptargumente gegen eine Publikation von Forschungsdaten sind Datasharing-Ängste:[1]

  • Kontrollverlust über die Verwertung der Daten bzw. die pirateriemäßige Übernahme der Forschungsdaten von Dritten
  • Zeitaufwand und -kosten für die Aufbereitung der Daten
  • geringerer Nutzen bzw. mangelnde Anerkennung durch die Community

Allerdings sollte, wie auch im klassischen Druck, eine (Nach-)Nutzung der Publikation klar geregelt und auch auf der Website transparent dargelegt sein. Es ist abzusehen, dass es in den nächsten Jahren zu einem allgemeinen Umdenken in der Wissenschaft und im bereich der wissenschaftlichen Publikation kommen wird, so dass auch die Publikation von Forschungs(primär)daten entsprechend honoriert wird. Dies wird die akademische Welt maßgeblich prägen.[2]

Wissenschaftliches Publizieren mit der „richtigen“ Lizenz

Das deutsche Urheberrecht von 1901/07 regelt das Recht auf Schutz des geistigen Eigentums von literarischen und künstlerischen Werken und wird auch auf die wissenschaftliche Publikationstätigkeit angewandt. Allerdings hemmt es mit der geregelten Rechtsnachfolge bisweilen die Freiheit der wissenschaftlichen For­schung, weil eine Nachnutzung von Forschungsdaten und/oder -ergebnissen in Form von Aufsätzen, Editionen, Wörterbüchern und Ähnlichem selbst nach dem Tod des Urhebers nicht ohne weiteres möglich ist.[3] Durch das Web mit seinen neuartigen Publikationsmöglichkeiten sind neuere rechtliche Regelungen entstanden, die gerade für wissenschaftliche Publikationen im Sinne der Freiheit der Wissenschaft geeigneter sind. Ist es möglich sich bei Forschungsergebnissen noch mit einem wissenschaftlichen Zitat oder Großzitat zu begnügen, so ist die Verwendung von Forschungsdaten sehr viel direkter und benötigt eine punktuell klar definierbare Regelung, die im deutschen Urheberrecht so nicht vorgesehen ist.[4]

Mit den Creative-Commons-Lizenzen lassen sich die Bedingungen der Nachnutzung von Forschungsbeiträgen jeglicher Art durch Dritte einfach und genau regeln. Die liberalste Lizenz ist die der Public Domain (CC0), die in etwa der Gemeinfreiheit entspricht. Vereinfacht gesagt verzichtet der Urheber auf sein Urheberrecht, wohingegen eine Open-Access-Publikation dem Nutzer zunächst keine Be- oder Verarbeitung erlaubt. Die Nachnutzung bzw. die Be- und Verarbeitung von Forschungsdaten lässt sich aber mit einer der den verschiedenen Creative-Commons-Lizenzen spezifisch und auf das jeweilige Werk bzw. die jeweilige Situation zugeschnitten gestalten. Eine häufig verwendete Lizenz ist die CC-BY-NC-SA 4.0, die den Ansprüchen der Wissenschaftlern in den meisten Fällen genügt. Ihre drei Hauptmerkmale bzw. Anforderungen an einen Nutzer sind die Nennung des Urhebers der (ursprünglichen) Daten (BY – by), der Verzicht auf kommerzielle Nutzung (NC – non commercial) und die Weitergabe des resultierenden, eigenen Werks unter den gleichen Bedingungen (SA – share alike). Andere entsprechende Lizenzen finden sich bei opendefinition.org.

Open Data - Freie Forschungsprimärdaten

Die freie Verfügbar- und Nutzbarkeit von Daten im Web wird oft mit dem Begriff Open Data bezeichnet. Open Data ist zunächst ein recht allgemein gehaltener Begriff, der, wenn er in einem speziellen Zusammenhang verstanden werden soll, anders bezeichnet werden kann. Zu diesen Open-Bewegungen zählen beispielsweise Open Source, Open Education, Open Government und das bereits erwähnte Open Access.

Als offene Daten werden Daten verstanden, die ohne jedwede Einschränkung zur freien Nutzung, Weiterverbreitung und freien Weiterverwendung zugänglich gemacht worden sind. Es handelt sich bei ihnen unter anderem um Lehrmaterial, Geodaten, Statistiken, Verkehrsinformationen, wissenschaftliche Publikationen, medizinische Forschungsergebnisse oder Hörfunk- und Fernsehsendungen. Um Daten als offene Daten zu kennzeichnen, können verschiedene Lizenzen verwendet werden. Daten mit Lizenzen, die die Nutzung der Daten einschränken, indem sie beispielsweise Veränderungen oder die kommerzielle Nutzung untersagen, gelten strenggenommen nicht als offene Daten, auch wenn solche Daten den wissenschaftlichen Austausch fördern.

Anders als bei Open Access liegt das Gewicht bei Open Data auf Informationen, die nicht in einer gebundenen Textform vorliegen. Insofern sind Open Access und Open Data zwei Bewegungen, die die freie Verfügbar- und Nutzbarkeit von bestimmten Informationen vorantreiben wollen. In Bewegungen wie Open Education und Open Government wird diese Unterscheidung nicht klar definiert. Daten und Texte werden unter dem Begriff Information subsumiert.

Bei Open Government Data handelt es sich ausschließlich um frei zugängliche Datenbestände der öffentlichen Verwaltung. Die Open-Government-Bewegung treibt die Öffnung der Regierung und Verwaltung gegenüber dem Bürger voran. Ziel ist es, die Arbeit transparent zu machen, was schließlich zu einer größeren Teilhabe der einzelnen Bürger und einer Zunahme des Gemeinsinns führen soll. Auf diese Weise erhofft man sich auch mehr Zusammenarbeit und Innovation. Von einer solchen Öffnung könnte die Wissenschaft profitieren, da der Zugang zu forschungsrelevanten Daten und Dokumenten kostenlos und einfach geregelt wäre, indem die zuständige Behörde oder Einrichtung, ihre Daten in offenen (und gängigen) Dateiformaten und mit offenen Lizenzen als Download zur Verfügung stellt.

In Deutschland ging 2013 GovData, das Datenportal des Bundesministerium des Innern für Bund, Länder und Gemeinden, online. Dort finden sich zahlreiche Daten und Dokumente aus der Verwaltung und Regierung, die als frei eingestuft worden sind.

Einzelnachweise

  1.   Benedikt Fecher (2014), Ein Einblick in ein laufendes Forschungsprojekt: Die Systematic Review und das Teilen von Daten, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft/HIGG Blog, 07.01.2014.
  2.  Falk Reckling (2013), Open Access - Aktuelle internationale und nationale Entwicklungen, FWF, 20.03. 2013.
  3.  Till Kreutzer (2013), Open Educational Resources (OER), Open-Content und Urheberrecht (Frankfurt/Main 2013).
  4. Materialsammlung zum DFG-Projekt: Future Publications in den Humanities. Fu-PusH-Dossier: Rechtsgrundlage, 18.02.2016.